Tagesrhythmus

Tagesrhythmus

Der gewohnte Alltag hat sich in den letzten Tagen für viele sehr geändert; und das bleibt vermutlich noch ein Weilchen so. Gerade wenn sich mehrere Menschen wenig Platz teilen und verschiedene Dinge machen wollen oder müssen, ist es sinnvoll, eine gewisse Routine zu etablieren. Wir Menschen funktionieren einfach besser, wenn wir wissen, was auf uns zukommt und unsere Welt in kleinere Kategorien aufteilen können.

Wir haben ein paar Tipps für euch, wenn ihr einen Familien-Tagesrhythmus etablieren wollt:

  • tut es gemeinsam
    Denn es fällt leichter, Abmachungen einzuhalten, die man selbst mitformuliert und mitbestimmt hat. Im Familienrat zum Beispiel kann jede*r seine/ihre Ideen einbringen, im Dialog auf Augenhöhe.
    (Wir haben auch einen kleinen Exkurs zum Thema Familienrat für euch gestaltet, der demnächst veröffentlicht wird)
  • legt für bestimmte Aktivitäten Bereiche/Zimmer fest
    Vor allem, wenn ein oder beide Elternteile im Home Office sind.
  • bleibt gesprächsbereit
    Man denkt nicht immer gleich an alles und Besprochenes sollte nicht in Stein gemeißelt sein. Das bedeutet nicht, dass man sich nicht an Abgemachtes hält oder jedes Mal zu diskutieren und verhandeln anfängt. Es bedeutet: wenn etwas nicht funktioniert, setzt euch noch einmal im Familienrat zusammen, sprecht darüber und trefft neue Abmachungen.
  • achtet auf Vielfältigkeit
    Der Mensch ist ein vielseitiges Wesen; er braucht Anspruch auf geistiger, körperlicher und emotionaler Ebene. Plant also Zeiten für verschiedene Aktivitäten ein, zB: lernen, Bewegung, kreativ sein (basteln, zeichnen, musizieren,….), zusammen spielen
  • wir sind Eltern, keine Entertainer
    Wir möchten euch gerne daran erinnern, was der verstorbene dänische Familientherapeut Jesper Juul jenen Eltern rät, die den großen Druck spüren, ihre Kinder ständig bespaßen und unterhalten zu müssen und euch – die ihr euch angesprochen fühlt – diesen Druck zu nehmen:
    „Eltern und Kinder sind Konsumenten geworden. Das führt dazu, dass vielen Kindern langweilig wird, sobald die externe Stimulation fehlt. […] Viele Eltern fühlen sich förmlich genötigt, diese inspirierenden Aktivitäten zu Hause fortzusetzen.
    Mein Vorschlag: Lassen Sie Ihre Kinder sich langweilen. Sie können das mit reinem Gewissen tun. […] Langeweile ist der Schlüssel zur inneren Balance - egal in welchem Alter. Die meisten Kinder erleben eine unangenehme innere Unruhe, wenn sie sich langweilen. Diejenigen, die die Unruhe vorbeiziehen lassen, kommen in Kontakt mit ihrer Kreativität. Unsere Kreativität ist der Raum, in dem wir uns spüren, uns selbst kennenlernen, uns selbst ausdrücken und die Erfahrung von Selbstverwirklichung machen. Was sich noch vor einer Stunde wie eine unangenehme Stille anfühlte, erzeugt plötzlich inneren Frieden und wird zur emotionalen Aufladestation.
    Für Kinder ist es wichtig, ihrer inneren Kreativität zu folgen. Es macht sie unabhängig von äußerer Anerkennung und Zustimmung. Kreativität ist zentral, um Selbstwert zu entwickeln. Kinder, die sich gelegentlich langweilen, werden eine größere innere Ruhe spüren, die ihre soziale Kompetenz fördert.
    Wenn Ihr Kind zu Ihnen kommt und sagt: ‚Mir ist sooo langweilig‘, dann umarmen Sie es und sagen: ‚Herzlichen Glückwunsch, mein Freund! Es interessiert mich, zu sehen, was du jetzt tust.‘“
    Quelle: https://www.derstandard.at/story/1350260936104/kinder-muessen-sich-langweilen

Viel Spaß beim Umsetzen!

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